MOTHER (aka EarthBound) – Die etwas andere RPG-Reihe

Ich liebe Rollenspiele. Ich liebe Rollenspiele deshalb, weil mir mit ihnen vieles geboten wird, was mir andere Genres nicht oder nur teilweise bieten können:

  • Eine klasse Story
  • Action
  • Eine glaubwürdige Spielwelt
  • Rätsel
  • Einen fordernden Schwierigkeitsgrad
  • Charaktere, in die man sich auch selbst hineinversetzen kann
  • Mindestens 40 Stunden Spielspaß

Jedem würde hier natürlich „Final Fantasy“ einfallen. Und bis einschließlich Teil 9 war diese Serie ja auch sehr herausstechend sowie wegweisend. Doch dann kam der erste „Final Fantasy“-Film, der ein totaler Flop wurde und Hironobu Sakaguchi – Erfinder der „Final Fantasy“-Reihe – verlies Squaresoft (heute Square-Enix) und gründete im Verlauf der Jahre sein eigenes Studio „Mistwalker“, wo er nun Spiele für XBOX 360 und Nintendo DS produziert. Man hat es der „Final Fantasy“-Serie auch deutlich angemerkt, dass Sakaguchis Einfluss einfach nicht mehr da war. Trotz guter Verkaufszahlen weiterhin wurde Teil 10 das für mich schlimmste „Final Fantasy“ aller Zeiten (über 10-2 sage ich hier nichts, da ich es immernoch nicht gespielt habe), Teil 11 wurde ein MMORPG (also ein Super-Hardcore-Fan-Final Fantasy) und Teil 12 war zwar wieder besser, aber auch nicht das Wahre und überhaupt wird die Reihe noch schlimmer ausgeschlachtet als Capcoms „Street Fighter II“ und „Resident Evil“ zusammen.

Weiterhin gibt es ja auch gute andere Rollenspiel-Reihen, wie zum Beispiel die Mario-Rollenspiel-Reihen „Super Mario RPG“, „Mario & Luigi“ und „Paper Mario“, von denen jede Reihe ihren eigenen positiven Charme hat.

Und es gibt natürlich auch Rollenspiel-Reihen wie Namcos „Tales of“, (Square-)Enix‘ „Star Ocean“ oder ebenfalls (Square-)Enix‘ „Dragon Quest“-Reihe. Tja, und dann haben wir da „MOTHER“…

Lassen wir mal die Mario-RPGs außen vor und widmen wir uns kurz den restlichen angesprochenen Spiele-Reihen:
Was haben diese gemeinsam?

  • Sie spielen entweder in einer Fantasy-Welt, die ungefähr dem unseren Mittelalter gleicht (Dragon Quest)
    oder
  • Sie spielen in einer Fantasy-Welt, die ungefähr unserem Mittelalter gleicht, nur mit einer extremen Vielzahl an futuristischen Einlagen wie technische Fortbewegungsmittel oder Einrichtungen (Final Fantasy und Tales of)
    oder
  • Sie spielen komplett in der Zukunft (Star Ocean)

Weiterhin ist bspw. auch die Waffenauswahl dementsprechend und die Gegner sehen so aus, wie ihr sie in etwa erwarten würdet: Fantasiewesen respektive außerirdische Rassen halt. Die Stories unterscheiden sich auch nicht großartig voneinander: Es gibt immer Jemanden oder Etwas, der oder das die Welt irgendwie unterjochen will. Manchmal auch zerstören. Soweit so dramatisch.

Widmen wir uns nun der MOTHER-Serie.

MOTHER 1 Gruppenbild

Im frühen 20. Jahrhundert bedeckte
ein dunkler Schatten ein kleines Dorf
im ländlichen Amerika. In dieser Zeit
verschwand einverheiratetes Ehepaar
mysteriöseweise aus ihrem Haus.

 

Der Name des Mannes war George,
der Name der Frau war Maria.

 

Zwei Jahre später erschien George
ebenso plötzlich, wie er damals verschwand.
Er erzählte nie Jemandem, wo er war
oder was er getan hatte.
Stattdessen begann er eine
eigenartige Studie, ganz alleine.

 

Und Maria, seine Ehefrau…
Man sah sie nie wieder.

 

Seitdem sind 80 Jahre vergangen…

Soweit die Intro-Szene.

In MOTHER findet man keine Schwerter oder Ritterrüstungen oder Feen oder Könige. Denn MOTHER spielt nicht in der typischen vom Mittelalter angehauchten Fantasy-Welt. MOTHER spielt in einer fiktiven Gegenwart. Es gibt normal aussehende Häuser, normal aussehende Straßen, normal aussehende Leute, normal aussehende Gegenstände…im Prinzip ist alles normal.

Man spiel den Jungen Ninten. Eigentlich ein echt total normaler Junge. Er liegt in seinem normalen Bett, wacht gerade aus seinem normalen Schlaf auf…als plötzlich sehr merkwürdige Dinge passieren. Er will aus seiner Tür heraus gehen, als ihn plötzlich seine eigene Tischlampe angreift. Im ganzen Haus gehen nun merkwürdige Dinge um sich.
Nintens Schwestern werden von einer weiteren Tischlampe und einer Puppe angegriffen. Er besiegt auch diese und bemerkt eine Musikbox in der Puppe.

So weit, so ungewöhnlich. So ungefähr sehen die ersten 10 Minuten von MOTHER (auch bekannt als „Earthbound Zero“) aus.
Zunächst wirkt MOTHER wie ein gewöhnliches RPG im Stil von Dragon Quest, nur eben in der Gegenwart angesiedelt. Im Verlauf des Spiels merkt man allerdings, dass das Spiel etwas Besonderes ist.
Ninten erhält auf seinem Abenteuer nach der Erkundung dieses eigenartigen Phänomens Hilfe von weiteren Leuten. Alle bis auf einen von ihnen haben eine Sache gemeinsam:
Was in Final Fantasy Magie ist, ist in MOTHER das sogenannte „PSI“. PSI-Fähigkeiten ersetzen alle mittelalterlichen Zaubersprüche und transferieren diese in modernem, aber dennoch glaubhaftem Gewand in die Gegenwart. Es gibt PSI-Heilkräfte, es gibt PSI-Angriffskräfte, es gibt PSI-Statusveränderungskräfte, wie in jedem normalen RPG auch. Nur gibt es da bei MOTHER einen gewaltigen Unterschied zu herkämmlichen RPGs mit Magie:
PSI ist in MOTHER ein essenzieller Bestandteil der Story. Je weiter man im Spielverlauf kommt, desto mehr erfährt man über die Vorgänge in Nintens Haus (die sich inzwischen auch auf die ganze weitere Welt in MOTHER ausgedehnt haben), über PSI und eine mysteriöse Kreatur namens „Giegue“, welche das ultimative, manifestierte Böse darstellt.

Im späteren Spielverlauf stellt sich heraus, dass Giegue ein außerirdisches Wesen aus einer anderen Zeit und Dimension ist und nicht durch pure Muskelkraft besiegt werden kann. Giegue ist der letzte Endgegner im Spiel, anstatt jedoch auf pure Muskelkraft zu setzen, muss eine Person aus der Gruppe immer wieder ein Lied ansetzen, welches ihn schlussendlich besiegt.

Nach den Credits gibt es noch eine kleine Szene, dargestellt durch ein Bild mit Text, welches das Ende großzügig geöffnet lässt. Man sieht einen Mann im Trenchcoat und Hut, eine Aktentasche haltend, mit dem Rücken zum Spieler und einen Telefonhörer in der Hand. Der Text darunter lautet: „Ich weiss, dass der Junge zuhause ist. Komm schon, Sohnemann, und heb‘ ab. Etwas Neues ist passiert und…“
Alles deutet in diesem Zusammenhang auf eine Fortsetzung, die es schlussendlich auch gab.

Man merkt einfach von Anfang (ungewöhnliche Gegner) bis Ende (ungewöhnliche Art, den Endgegner zu besiegen) des Spiels, dass MOTHER ein komplett anderes RPG ist, als man es gewohnt ist. Und genau das will und soll es auch sein. Es geht komplett andere Wege als Final Fantasy oder Dragon Quest und ist damit sehr erfolgreich.
Es gibt keine andere RPG-Reihe, die auch nur annähernd so anders ist, wie die MOTHER-Reihe. Eben dies wird in den beiden Nachfolgern umso mehr verdeutlicht.

Für MOTHER war ursprünglich auch eine Veröffentlichung in den USA (und bei entsprechendem Erfolg sicher auch in Europa) geplant. Das Spiel wurde bereits komplett übersetzt und es war geplant, das Spiel unter dem Namen „EarthBound“ in Amerika auf den Markt zu bringen. Jedoch wurde 1991 das SNES veröffentlicht und mit ihm kam quasi der Tod für MOTHER in den USA. Der Name „EarthBound“ wurde später für die US-Lokalisierung von MOTHER2 verwendet.

Das Spiel mit seiner originalen Übersetzung, wie es für den Release in den USA geplant war, wurde später von der ROM-Hacking- und -Translation-Gruppe NeoDemiforce für 200$ von jemandem ausgeliehen, der ein original Modul hatte, das eigentlich dafür gedacht war, zerstört zu werden, und von dieser Gruppe zusammen mit ein paar Hacks unter dem Namen „EarthBound Zero“ ins Internet gestellt (die Hacks belaufen sich ausschließlich auf ein paar Bugfixes).

MOTHER2 Gruppenbild

MOTHER2 – Gyiyg schlägt zurück!
EarthBound – Der Krieg gegen Giygas!

Wir schreiben das Jahr 199X

Onett, eine kleine Stadt in Eagleland

Ness‘ Haus

 

Mit MOTHER 2 (alias EarthBound) wird der Trend, den MOTHER ins Rollen brachte, fortgesetzt, die Story jedoch nicht. Zumindest kann man das so nicht sagen. Aber beginnen wir doch erstmal mit dem Anfang des Spiels.

In diesem Teil spielt man den Jungen Ness. Viele von euch werden ihn wahrscheinlich aus Super Smash Bros. und Super Smash Bros. Melee kennen. Jetzt wisst ihr auch, wo Ness ursprünglich her kommt.
Der Anfang von MOTHER2 ist ähnlich dem von MOTHER, nur ausführlicher und…naja, etwas anders
Es ist mitten in der Nacht und Ness liegt gerade im Bett und schläft, als plötzlich ein immer lauter werdender Krach ertönt, der schlussendlich als laute Explosion endet. Ness zieht sich seine Klamotten an und läuft in Richtung des Lärms um zu schauen, was passiert ist. Es stellt sich heraus, dass ein Meteor vom Himmel gefallen und auf dem nahegelegenen Hügel in Onett gelandet ist. Pokey, Ness‘ Freund und Nachbar und noch dazu ein sehr hyperaktiver Junge mit einer Schweinerüssel-ähnlicher Nase, ist bereits dort und stiftet auch etwas Unruhe, indem er die Polizei behindert. Ness geht wieder nach Hause und legt sich schlafen, als plötzlich jemand wie verrückt an die Haustür klopft. Es ist Pokey, der wie verzweifelt seinen kleinen Bruder Pickey sucht und Ness bittet, ihm bei der Suche zu helfen. Sie finden ihn auf dem Hügel neben dem Meteoriten. Als sie ihn mitnehmen und am Meteoriten vorbeigehen hören sie plötzlich ein leises Summen, das sich als Biene herausstellt.
Allerdings nicht irgendeine Biene: BuzzBuzz ist der Name und er ist eine Biene aus der Zukunft, gekommen um Ness zu warnen, dass Giygas, ein böses Wesen aus der Zukunft – 10 Jahre, um genau zu sein – der es sich in den Sinn gesetzt hat, die ganze Welt zu zerstören. Außerdem ist Ness einer der vier Auserwählten, einer der Einzigen, die Giygas besiegen können. Giygas wiederrum ist das, was von Giegue aus MOTHER übriggeblieben ist: Sein Geist, personifiziert als das pure Böse, das nichts anderes im Sinn hat, als Tod und Verderben all jenen zu bringen, die sich ihm widersetzen.

In MOTHER war Giegue noch ein normales Individuum bestehend aus Organgen, einem Skelett und einem eigenen Hirn. Als er jedoch von Ninten und seinen Freunden besiegt wurde, blieb nur noch sein Geist übrig, der nun 10 Jahre in der Zukunft sein Unwesen treibt und dort bereits die ganze Welt unterjocht hat.

Kurze Zeit, nachdem BuzzBuzz seine Geschichte erzählt hat, begegnen sie auch schon dem Starman, ein Wesen geschickt aus der Zukunft von Giygas höchstpersönlich dazu auserkoren, Ness und seine Gefolgsleute zu vernichten. Mit BuzzBuzz‘ Hilfe jedoch schaffen Ness, Pokey und Pickey es jedoch, Starman Jr. zu besiegen.
Als Ness Pokey und Pickey daheim abliefert und BuzzBuzz kurzerhand von Pokeys Mutter mit der Zeitung erschlagen wird (welch ein theatralischer Tod für eine Biene mit PSI-Kräften aus der Zukunft), wird es auch schon Tag und Ness bricht sein Abenteuer an.
Auf seinem Weg bekommt er Hilfe von Paula, die Kindergärtnerin, Jeff, dem Sohn des berühmten Erfinders Dr. Andonuts, und Poo, dem Kampfsportler vom Berg.
Diese vier sind die Auserwählten, auserkoren, um Giygas die Stirn zu bieten und dafür zu sorgen, dass die Welt auch in 10 Jahren noch heil bleibt.

Ihre Reise führt sie durch die normalsten Umgebungen der Welt: Diverse Klein- und Großstädte, Wälder, Sümpfe, eine Wüstenlandschaft, Höhlen, das Innere des riesigen so genannten „Dungeon Man“ – eineKreatur mit einem Schloss auf dem Kopf und einer Höhle im Inneren, gefüllt mit allerlei Schätzen und Gefahren – eine mit Zombies gefüllte Stadt, das Dorf der Mr. Saturns, ein mit Geistern gefüllter Autobahntunnel, unterirdische Laboratorien, eine Welt, in der noch Dinosaurier und ein ausgestorben geglaubter Stamm lebt und schließlich und endlich die Zukunft selbst, in der Giygas uneingeschränkter Herrscher ist und seine Boshaftigkeit über die Zeit hinaus ausübt.

In diesen größtenteils nicht ungewöhnlichen Schauplätzen hat es dafür Platz für umso ungewöhnlichere Gegner: Wildgewordene Taxis, die versuchen, euch zu überfahren, Flammen, die ein Eigenleben gestartet haben, Stopschilder, schmelzende Uhren, eine, mit böser Magie gefüllte, güldene Statue, Schnecken, riesige Ameisen, laufende Pilze und Zigarette rauchende Krähen sind nur ein Bruchteil dessen, was einem in MOTHER2 über den Weg laufen wird.

Wie bereits bei MOTHER erwähnt kämpft man in dieser Serie nicht mit Schwertern und Äxten. Hier kommen Alltagsgegenstände an den Mann: Ness‘ Hauptwaffen sind Baseballschläger und Jojos, die Lieblingswaffe Paulas ist die gute alte Bratpfanne, Jeff baut sich selbst gerne mal Laserpistolen zusammen und Poo lässt gut und gerne mal die Fäuste sprechen.

Wie bereits in MOTHER ist auch in MOTHER2 PSI wieder ein wichtiger Bestandteil des Spels, diesmal jedoch weniger in der Story. Alle Hauptcharaktere außer Jeff beherrschen PSI. Jeff selbst ist quasi dazu da, dass man auch mal die Angriffsitems benutzt, die man des Häufigeren findet, denn diese sind natürlich weitaus stärker als die normalen Angriffe. Damit wird der Spieler wenigstens mal aufgefordert, seine Silvesterraketen und Bazookas (!) zu benutzen, die im Spielverlauf gekauft, von Jeff zusammengebaut oder gefunden werden.

MOTHER2 ist noch dazu der Teil der Serie, in der Mr. Saturn eingeführt wird, den einige vielleicht auch schon als einsetzbares Item aus Super Smash Bros. Melee kennen.
Die Spezies der Mr. Saturn sind definitiv noch knuddeliger als jede Art von Mogry, egal aus welchem Final Fantasy oder Kingdom Hearts sie stammen mögen.
Mr. Saturn bestehen im Prinzip aus nichts anderem als einem Kopf mit winzig kleinen Füßchen, einer riesigen Nase, zwei Schnurrbarthaaren links und rechts, zwei Knopfäuglein und einem Haar auf dem Kopf, garniert mit einer rosa Schleife.
Weiterhin haben Mr. Saturn den lustigsten Dialekt, den man je bei ienem Charakter in einem Spiel gleich welchen Genres gesehen hat.
Dieser hört sich etwa so an:

„You wanna buy something, ding?
You buy something, dong!
You no wanna buy something, ding?
You no buy something, dong!
You some sleep need, boing?
Say yes to me?
Say no to me?
Zoom!“

Auch ihre Häuser sind komplett auf sie abgestimmt. Die Häuser sind komplett rund mit einem spitz zulaufenden Dach, welches mit einer Antenne inklusive rosa Schleife garniert ist.

Das Volk der Mr. Saturn spielt in MOTHER2 eine tragende Rolle, da sie sehr erfinderisch sind und dafür sorgen, dass Ness & Co. in die Zukunft reisen können.

Wo wir auch schon am Ende des Spiels wären: Die Zukunft.
Ness und seine Freunde werden in die Zukunft mittels technischer Übertragung ihrer Gedanken an Roboter in der Zukunft weitergeleitet. Man spielt also ungefähr die letzte halbe Stunde des Spiels mit vier Robotern, von denen einer eine rote Mütze auf hat. Ändern tut dies allerdings nichts: Ihr seid immernoch genauso verwundbar und habt genauso hohe Statuswerte wie davor.

Ness und Co. schlagen sich durch die letzten Horden an Gegnern, bevor sie endlich Pokey und Giygas gegenüberstehen…

Moment…Pokey?
Ja, das ist ein Aspekt des Spiels, das einen wirklich überrascht. Man sieht Pokey häufiger im ganzen Spiel und er verhält sich jedesmal eigenartiger, als ob er von etwas besessen ist. Er flieht andauernd vor Ness und man weiss nicht wieso, bis man ihn eben am Ende sieht.
Er hat sich Giygas angeschlossen und hofft auf unendliche Macht, die er so oder so bekommen würde, egal ob Ness es schafft, Giygas zu besiegen oder nicht. Pokey wäre in jedem Fall der Gewinner.

Und eben das ist er auch. Nachdem der Abspann vorrübergeflimmert ist, zeigt euch das Spiel quasi den virtuellen Mittelfinger und lässt euch einen Brief von Pokey zukommen, der bereits in einer anderen Zeit verschwunden ist, in welchem steht, dass Ness darüber nachdenken sollte, ob er nicht jemanden vergessen hat.

Also auch hier wieder ein offenes Ende.

 

Als MOTHER2 in den USA unter dem Namen EarthBound erschien, dachte man bei Nintendo zunächst, es würde ein genauso hoher Hit werden wie in Japan. Leider war dies nicht der Fall: Vielleicht war es wegen der zurückgebliebenen Grafik, vielleicht aber auch wegen der eigenartigen Werbekampagne mit dem Slogan „This game stinks!“, niemand weiss es genau.
Sicher ist auf jeden Fall, dass EarthBound in den USA und Europa ein absoluter Kulthit ist. Das ungewöhnlich gewöhnliche Setting des Spiels sorgte für ein erfrischend anderes RPG-Feeling wie man es (als Amerikaner und Europäer) nie zuvor erlebt hat oder wieder erleben würde.
Weiterhin haben sowohl MOTHER als auch MOTHER2 verdammt gute Stories. Meiner Meinung nach besser als alles, was man zuvor auf dem NES respektive SNES gesehen hat und was nur noch vom letzten Teil der Trilogie, MOTHER3, getoppt wird.

 

MOTHER3 Gruppenbild

 

Willkommen in der Welt von MOTHER3

Nowhere Island

Hinter dem Telly Wald

Das Haus von Alec, Hinawas Vater

 

MOTHER3 stellt den Abschluss der MOTHER-Trilogie dar. Und das mit einem bombastischen Finale und einem sehr interessanten Werdegang, zu dem ich allerdings am Schluss dieses Berichts komme.

Ausganspunkt von MOTHER3 ist Tazmily, eine Stadt auf Nowhere Island und Heimatort der Helden von MOTHER3. Die Story von MOTHER3 ist diesmal auch um einiges ernster und mit viel mehr Wendepunkten versehen als die Stories bei MOTHER1+2. Während bei MOTHER1+2 zu gleichen Teilen eine herzergreifende Story mit Humor gemischt wurde, wurde bei MOTHER3 etwas mehr auf Humor verzichtet, zugunsten einer noch glaubwürdigeren, herzergreifenderen und traurigeren Story als es bei MOTHER1+2 der Fall war.

In alter MOTHER-Tradition beginnt MOTHER3 wieder mit dem schlafenden Haupthelden mit Namen Lucas. Lucas ist ein kleiner 10jähriger Blondschopf und der etwas Jüngere und Ängstlichere der Zwillinge. Sein Bruder Claus dagegen ist mutiger und vor allem redegewandter als Lucas.
Lucas wird von Claus geweckt, der bereits draußen bei Drago und seiner Familie wartet. Drago und Anhang sind Dinosaurier der Gattung Tyrannosaurus Rex und sie leben doch recht zahlreich und vor allem friedlich im Gebirge nahe Tazmily.

Lucas macht zusammen mit seiner Mutter Hinawa und seinem Bruder Claus Urlaub bei Alec, Hinawas Vater, der sein Haus auf eben jenem Gebirge hat. Hinawa schickt ihrem Mann Flint per Brieftaube einen Brief und das wäre soweit auch schon der Prolog des Spiels.

Ab hier bemerkt man schon eine kleine Änderung in der Erzählung der MOTHER-Spiele: Die Story von MOTHER3 ist in Kapitel unterteilt. Insgesamt sind es acht Kapitel, die alle immer ein bisschen zeitlich auseinander liegen.

Im großen und ganzen könnte man sagen, dass es in MOTHER3 um Pro und Kontra der technologischen Entwicklung und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Menschheit geht. Tazmily ist zu Anfang des Spiels ein sehr ruhiges Dorf mit ungefähr zwei bis drei Dutzend Einwohner. Im Laufe des Spiels entwickelt sich Tazmily jedoch immer weiter: Es wird Geld eingeführt, Fernseher installiert, Straßen werden gebaut, Arbeitsplätze werden geschaffen usw.
Dies allesgeht von den Machenschaften des Pig King aus. Er hat seine eigene Hauptstadt mit Namen „New Pork City“ von wo aus er versucht, Nowhere Island einzunehmen und zu industrialisieren, was ihm soweit auch gelingt.

Jedoch entwickelt sich nicht nur die Umgebung mit der Zeit sondern auch die Charaktere, insbesondere Lucas, werden älter und reifer. Während man in den ersten 3 bis 4 Kapiteln zunächst Flint, dann den Dieb-in-Ausbildung Duster und dann den Affen Salsa spielt, spielt man alle Kapitel danach mit Lucas in der Hauptrolle. Und man sieht es Lucas auch an. Hat er am Anfang noch das Aussehen eines süßen, kleinen Jungen, altert er im späteren Spielverlauf auch ein wenig und wächst auch heran.

Wie bereits gesagt, ist die Story von MOTHER3 trauriger, herzergreifender und auch finsterer als es die Stories der anderen beiden Teile jemals waren. Es gab in MOTHER1+2 zum Beispiel keine Toten (bis auf Zombies); es gab ohnmächtige Charaktere, es gab schlafende Charaktere, aber es gab keine Toten.
Eben dies ist bei MOTHER3 komplett anders und wird einem bereits am Ende des ersten Kapitels gezeigt, in dem nicht nur Lucas‘ Mutter Hinawa stirbt (mit der Mitteilung an Flint, dass man Dragos Zahn gefunden hat, der das Herz von Hinawa durchbohrte), sondern auch Claus wird ab diesem Zeitpunkt vermisst. Drago selbst wird von den Schwinemenschen zu einer Cyborgkreatur umgebaut, welchen man alsbald selbst töten muss, woraufhin Dragos Kind Flint und Kohorten angreift, usw.

Man merkt einfach, dass MOTHER3 nicht nur anders als der Rollenspiel-Standard, sondern auch noch anders als seine beiden Vorgänger ist. Und das ist genau der Teil vom Spiel, der mir daran am meisten gefällt. MOTHER3 schafft es, eine Story zu erzählen, die zwar immernoch lustig, aber umso mehr traurig und düster ist. Es gibt einige Stellen, an denen weichere Herzen sogar anfangen würden, zu weinen. Ich mein das ernst. Es gibt so ziemlich keine Spiele, und von denen noch weiger für eine Handheld-Konsole wie den GBA, die den Spieler zum Weinen bringen könnten. Aber MOTHER3 ist bei den meisten Spielern verflucht nah dran.

Viel mehr kann (bzw. will) ich bis jetzt nicht verraten, da ich das Spiel noch nicht komplett durchgespielt habe. Ich weiss zwar, wer der letzte Endgegner ist und so, aber das weiss sowieso jeder, der ein wenig nachdenken kann.

 

MOTHER3 war ursprünglich für das Nintendo64 geplant. Selbst ein amerikanischer und europäischer Release war geplant. Es wurde 1908 zuerst für das 64DD als Launchtitel für selbiges angekündigt (das Zusatzlaufwerk für das N64, welches nie außerhalb Japans erschienen ist). Nach einigen informationslosen Monaten wurde es 1999 erstmals spielbar gezeigt. Dann kam Ende 1999 das 64DD-Laufwerk heraus, ohne MOTHER3. Als Das 64DD dann ein derber Flop war (wie das Satellaview für das SNES Jahre zuvor), wurde MOTHER3 als reguläres N64-Spiel angekündigt. Einige Monate nach dieser Ankündigung wurde das Spiel zunächst offiziell von Nintendo gecancelt.

Viele Mitarbeiter von HAL und Nintendo, die an dem Spiel gearbeitet haben, waren natürlich nicht gerade erfreut darüber. Derjenige, der sich wahrscheinlich am wenigsten darüber gefreut hat, war Shigesato Itoi, seines Zeichens Erfinder der MOTHER-Reihe und Autor und Director aller drei Spiele. Auf seinem Blog schrieb er damals, er hätte das Spiel, soweit wie es fertiggestellt war (was wohl etaws mehr als die Hälfte des Spiels gewesen sein durfte), mit den anderen Mitarbeitern durchgespielt. Viele Mitarbeiter wären an einigen Stellen regelrecht in Tränen ausgebrochen, dass für so ein großartiges Spiel mit einer solchen Story einfach der Hahn dicht gemacht wurde.

Es war auch lange Zeit still um das Spiel. Ende 2002 verdichteten sich jedoch die Gerüchte, dass sich Shigesato Itoi mit Leuten von Nintendo, HAL und Brownie Brown unterhalten haben soll. Zunächst war nicht eindeutig, ob damit eine eventuelle Wiederauferstehung von MOTHER3 gemeint war. Als 2003 dann die MOTHER1+2 Compilation für den GameBoy Advance herauskam, waren einige Fans zunächst ernüchtert. Gleichzeitig wurde aber MOTHER3 indirekt ofiiziell angekündigt, da schon in der Werbung für MOTHER1+2 ein Mr. Saturn sagte, man würde auch an MOTHER3 arbeiten.

Anfang 2006 dann wurde MOTHER3 ganz offiziell angekündigt mit einem Release für den 20. April 2006. Das Spiel wurde ein voller Erfolg in Japan. Schließlich war es seit der ersten Ankündigung für das N64fast immer in den Top10 der Most Wanted-Charts der Famitsu Weekly vertreten, mit ein paar wenigen Ausnahmen, und das selbst über die Cancelung hinaus!

Von daher ist es immernoch eigenartig, dass Nintendo of America und Nintendo of Europe nicht schon längst über eine Lokalisierung von MOTHER3 nachgedacht haben.
Aus diesem Grund haben sich ein paar beinharte MOTHER-Fans dem angenommen. Es gibt ein Fan-Translation-Programm, das auch bereits sehr weit fortgeschritten ist. Leider gibt es immernoch sehr viele Bugs durch die Übersetzung, die derzeit immernoch ausgemerzt werden. Und bevor dise Bugs ausgemerzt sind, wollen die Leute auch keine teilweise Übersetzung veröffentlichen.

Hoffen wir für alle das Beste, dass dieses Projekt klappt. Ich hoffe es zumindest, denn für mich ist die MOTHER-Serie die beste Rollenspiel-Serie, die ich kenne.

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass es im Internet einige gute Übersetzungs-Guides gibt, mit denen man das Spiel sehr gut verstehen kann, wenn man selbst des Japanischen nicht mächtig ist.

 

 

Das wäre soweit auch mein Review zu den drei MOTHER-Teilen.
Ich habe eine MENGE Sachen vergessen zu erwähnen, aber da mach ich mir jetzt keinen Kopf drum. Irgendwie gings mir sowieso nur darum, euch einen kleinen Einblick zu vermitteln und zu zeigen, dass, wenn ihr genug von „Standard-RPGs“ habt, ihr immernoch auf die MOTHER-Serie aufmerksam werden könnt.
Es gibt so viel in der Welt der MOTHER-Teile zu sehen und zu entdecken. Aber erleben, wie anders die Spiele sind, müsst ihr immernoch selber 😉

 

~ V-King

 

Links:
STARMEN.NET ~ Viel ausführlichere Informationen als ihr hier lesen könnt gibt es dort. Starmen.net ist die größte englischsprachige MOTHER-Fan-Seite im Netz und definitiv einen oder mehrere Besuche wert 😉
GAMEFAQS.COM ~ Hier findet ihr einige Übersetzungshilfen. Ich persönlich empfehle diesen hier (Übersetzung von beinahe allen Text) in Verbindung mit diesem
(Komplettlösung mit Tipps zu Kämpfen und sonstigem sowie ein paar Übersetzungen einiger Zwischensequenzen und Gespräche).
MOTHER3.FOBBY.NET ~ Das MOTHER3-Übersetzungsprojekt. Dort gibt es einen Patch, der das Menü sowie die Items und Beschreibungen übersetzt sowie eine MENGE Informationen über den Hacking- und Übersetzungsprozess des Projekts. Eindeutig sehenswert.

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15 Responses to MOTHER (aka EarthBound) – Die etwas andere RPG-Reihe

  1. Aron sagt:

    lol wieso heist es den Mutter?

  2. V-King sagt:

    Gegenfrage:

    Wieso heisst Final Fantasy „Final Fantasy“?

  3. Maraya sagt:

    Nächste Frage: Warum heiß ich Ronja?

  4. Leon sagt:

    Bzw. weil deine Eltern dich so genannt haben.
    Meine Frage:
    Warum find ich das hier so cool?8D

  5. Jesus_666 sagt:

    @V-King: Die üblichste Erklärung (und IIRC auch von Square selbst stammend) ist, daß „Fantasy“ sich auf den phantastischen Inhalt des Spiels bezieht und „Final“ drin steht, weil Square kurz vor dem Ruin stand und FF, falls es wie die Spiele davor geflopt wäre, das letzte Spiel gewesen wäre, das sie produziert hätten.

    Dann wurde FF ein riesiger Erfolg und ein paar Jahre später war Squaresoft einer der Riesen im Geschäft. So kann’s eben kommen.

  6. Henne sagt:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Mother_%28video_game%29

    „The game was named after John Lennon’s song ‚Mother‘.“

    Kay. oO
    Hätte wegen dem Logo eher an „Mother-Earth“ oder sowas gedacht. xD

    @Jeez: Jupp, so habe ich es auch gehört.

  7. V-King sagt:

    @eez: Das wusste ich schon.
    Allerdings dachte ich auch bei MOTHER, dass es eher nach der Erde benannt wurde.
    Es nach dem Song von John Lennon zu benennen macht allerdings auch Sinn, da besonders die ersten beiden Teile Unmengen an Beatles-Referenzen beinhalteten.

  8. Marcel sagt:

    Ich liebe Alle mother Charactere obwohl ich das nochnie gespielt hab. wenn ich erstman erwachsen bin übersetze ich das spiel^^

  9. Marcel sagt:

    außerdem habe ich gerade etwas von mother 3 auf youtube gesehen……. wow, habe ich geweint

  10. Lionpikmin sagt:

    mein gott liebe leute stellt nicht so viele fragen warum das spiel „MOTHER“ heißt, sondern SPIELT ES EINFACH!!!! ich sag euch das werdet ihr nicht bereuen, das ist einfach so toll. das is nicht nur einfach irgendein spiel, das is ne Erfahrung und ein wahrer Genuss!! wie sagte der erfinder dieser genialen spiele: „MOTHER is a playground of your own imagination! The more u play it, the more u like it and the more u grow into the game.“

  11. motherfreak sagt:

    Ich kann mich Lionpikmin nur anschließen, mich hat die Serie so begeistert, dass ich sie als Hauptthema für mein Blog verwende (es gibt noch andere) ich habe sogar eine Art Spieletagebuch zum letzten Teil eröffnet, weil mich besonders Mother 3 beeindruckt hat, sogar zu meinem Lieblingsspiel geworden ist. Ihr werdet es nicht bereuen.^^

  12. Lionpikmin sagt:

    Haa endlich einer der mich versteht. motherfreak ich kenn dich zwar nicht aber du scheinst mir sehr sympatisch. Jeder Mother Fan ist ein Freund. Ich finde es sollte so was wie ne riesige europa online community geben, so wie starmen.Net nur halb das sich dort alle mother Fans aus Europa vereinen. Das ware echt super. Ich glaub das sollte ich in die hand nehmen. Mochte jemand helfen wenn’s soweit ist???

  13. motherfreak sagt:

    Ich könnte. (Ich habe jetzt erst deine Antwort entdeckt)

    Allerdings habe ich nur sehr wenig Zeit momentan.

    Mir ist auch sehr wichtig, dass sich welche zumindestens an Mother versuchen sollten, wenn es dann ihnen nicht gefällt…. Schade, aber was solls? Wenigstens versucht haben sie´s (ich kenne da eine Menge andere Menschen).

    Ich würde mitmachen, aber wie schon gesagt, ich habe wenig Zeit momentan.

  14. Kigili sagt:

    Wird es je einen vierten teil geben? Den dritten teil hab ich nicht gezockt den ersten teil zockte ich mit einem gba emulator auf dem android und den zweiten mit einem.snes emulator auf dem pc. Ohne den dritten teil gespielt zu haben, glaube ich dass der zweite teil mein favorit sein wird, wobei die geschichte des ersten teils die basis für den zweiten darstell. Mit dem ersten fing nun mal alles an.

    • Kigili sagt:

      Leute, Leute!!! Ich sag’s euch als ich vor über einem Monat in meinem ersten Kommentar schrieb, dass der zweite Teil mein Favorit sei, obwohl ich den dritten Teil noch nicht gespielt hatte, konnte ich nicht annähernd erahnen, wie gut der dritte Teil von Mother wirklich ist. Der dritte Teil ist der Hammer! So eine tolle, aber auch traurige Story, habe ich nicht erwartet. Ich muss dem Blog-Verfasser Recht geben, es gibt phasenweise Stellen im Spiel, die so traurig sind, dass man fast weinen muss…Teilweise persönlich habe meine ich auch, dass viel Kapitalismuskritik in dem Spiel steckt. Ich fand das Spiel einfach nur klasse. Wer auf Rollenspiele steht, muss dieses Spiel durchspielen!

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