Die Frage nach der Grafik…

Manchmal, wenn ich am Zocken bin, stelle ich mir derzeit immer wieder die Frage:
Haben wir nicht schon langsam die Grafik nahe der computeranimierten Filme ala Toy Story und Shrek?
Viele Leute würden hier sicher sagen „Nö, da geht noch einiges“ und das möchte ich auch nicht bezweifeln.

Aber…ist es denn überhaupt nötig?

Schaut euch doch mal Spiele an wie BioShock, Metal Gear Solid 4 oder Crysis. Das dürften so ziemlich die Grafikkiller dieser Generation sein beziehungsweise werden, um mal ein exklusives Beispiel pro System zu nennen (ich weiss übrigens, dass BioShock auch für den PC verfügbar ist, also pscht).

Klar, die Spiele haben auch eine klasse Grafik, will ich nicht abstreiten.

Aber mal ganz im Ernst: Nehmt mal an, ihr habt einen PC, wo vielleicht Half-Life 2 spielbar (nicht durchgehend flüssig) drauf läuft oder eine Konsole der letzten Generation (GameCube, PS2, X-Box).
Wäre es euch wert, mindestens 300€ auszugeben, um Spiele zu erleben, die von der Grafik her zwar um einiges besser, vom Spielspaß her allerdings völlig gleich geblieben sind?

Die Frage nach der Grafik...

Was würdet ihr eher kaufen: Das neue Final Fantasy in einer Grafik wie God of War 2 mit einem Preis von 30€ oder in einer Grafik Unreal Tournament 3 für 70€?
Kleine Anmerkung: Wählt ihr hier die letztere Variante, dürft ihr euch als einer der Spieler bezeichnen, die die Grafik vor den Spielspaß stellen.

Wo ist nur die Zeit geblieben, in der 16-Bit-Prozessoren in Konsolen schlummerten, auf denen Spiele mit einer besseren Grafik als die ersten NeoGeo-Spiele möglich waren und ganz wichtig: Wo alles noch 2D war?
Nicht umsonst wird die SNES-Ära „Das goldene Zeitalter der Videospiele“ genannt. Damals gingen die Ideen der Entwickler voll auf. Damals waren RPGs ganz groß, legten viel mehr Wert auf Story als auf ein innovatives Kampfsystem, waren Jump’n’Runs nicht nur „Mario-Rumgehüpfe“, waren 3D-Grafiken noch eine Seltenheit, waren Nintendo und Sony noch befreundet, waren Sega und Nintendo noch Todfeinde, war Microsoft noch stiller Beobachter.

Wieso legt jeder soviel Wert auf Grafik?
Wird alles nur noch vom Kommerz getrieben?
Ist Grafik ein „Fanservice“, den sich die Entwickler leisten, weil die Fans rufen, dass sie bessere Grafiken wollen?
Wer hat ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt?

Wieso muss ich mir immer anhören, dass 2D-Grafik „nicht dem Standard“ entsprechen?
Eine der wenigen Firmen, die es meiner Meinung nach „richtig macht“, ist „Shin Nihon Kikaku“, bekannter unter ihrem Kürzel „SNK“.
SNK hatte zwar mit ihrem NeoGeo damals keinen Riesenerfolg wie Nintendo mit ihrem SNES oder Sega mit ihrem MegaDrive/Genesis, dafür war das NeoGeo schon immer eine Art Geheimtipp…zumindest für diejenigen, die sich die damals 800 DM teure Konsole mit ihren teilweise ebenso teuren Spielen leisten konnte.

Damals lief es zwar schon auf die Grafik im 2D-Bereich hinaus, welche SNK vollkommen dominierte. Aber sie achteten wenigstens auch auf den Spielspaß, damals wie heute.

Metal Slug beispielsweise ist für mich immernoch DAS 2D-Spiel, mit der verhältnismäßig besten Grafik überhaupt. Kein Spiel hat schönere Animationen und Grafiken und macht dabei auch nur annähernd soviel Spaß wie Metal Slug.
Genauso die King of Fighters-Reihe. Meiner Meinung nach eine der besten Beat ‚em Up-Reihen überhaupt. Es sieht klasse aus und es macht Spaß.
Und auch ein toller Geheimtipp, besonders für alle, die R-Type mögen: Pulstar. Ein 2D Space-Shoot ‚em Up, ganz im Stile von R-Type, aber mit ATEMBERAUBENDER 2D-Grafik. Es sind zwar alles nur vorgerenderte 3D-Objekte in 2D-Grafiken, aber dennoch ist es erstaunlich, was die Macher des Spiels dort hingekriegt haben. Es sieht einfach aus wie 3D obwohl es 2D ist.

Eine weitere Firma, die es schafft, Grafik mit Spielspaß perfekt auszuwiegen, ist Treasure.
Treasure ist teilweise noch weniger Leuten wirklich bekannt als SNK. Dabei ist Treasure genau das, was ihr Name von sich gibt: Ein Schatz inmitten des weiten Sumpfes der Spielehersteller. Ursprüngliche Konami-Mitarbeiter, die ihr eigenes Entwicklerteam gegründet haben und dabei solche Spiele herausbrachten wie Gunstar Heroes, Ikaruga oder das echt geniale Sin & Punishment. Es sind Menschen, die irgendwie dafür geboren zu sein scheinen, alle Arten von Shoot ‚em Ups wie die Konkurrenz zu machen. Nur besser.

Gunstar Heroes und das Sequel/Remake/was auch immer Gunstar Super Heroes (Gunstar Future Heroes in Europa) sind beinharte Shoot ‚em Ups mit einem grafikgeballten Action-Feuerwerk. Ich kann mir vorstellen, dass das MegaDrive damals mit Gunstar Heroes an seine visuellen Grenzen kam, trotzdem lief immer alles flüssig. Und es machte Spaß. Verdammt viel Spaß.

Wieso also bessere Grafik? Wieso nicht 2D? Oder wenn schon bessere Grafik: Wieso nicht gleichermaßen auf Spielspaß und Grafik achten? Wenn das Spiel nämlich Spaß macht, ist Grafik absolut zweitrangig. Das hat man ja schon zum Beispiel bei Final Fantasy 7 gesehen 😉

~ V-King

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3 Responses to Die Frage nach der Grafik…

  1. Heavy Heavy Low Low sagt:

    Ja ja, früher war alles besser… 😉
    Aber ich stimme dir zu: Grafik sollte nicht über den Spielspaß gestellt werden, und mehr 2D-Grafik in Spielen wäre auch mal wieder nett. Ich liebe ja ganz besonders den Stil mit vorgerenderten Hintergründen, vor denen Charaktere als 2D-Sprites agieren – noch besser wär’s natürlich, die Hintergründe wären gezeichnet und nicht modelliert, aber das gibt es meines Wissens nach ja nur recht selten.

  2. Desmond sagt:

    Du hast Mischief Makers von Treasure vergssen :P. Ansonsten stimme ich dir zum meisten Teil zu.

  3. Henne sagt:

    Kann ich unterschreiben. Ich spiele in letzter Zeit hauptsächlich „Romancing Saga 3“ (SNES) und „Warcraft 3“ und spüre nicht wirklich den Anreiz viel Geld für mehr Grafik-Power (hrhrhrhr) auszugeben.

    Eine Aussage ist allerdings nicht ganz richtig:

    „Damals waren RPGs ganz groß, legten viel mehr Wert auf Story als auf ein innovatives Kampfsystem“

    Das Beispiel kannst du vielleicht in der Makerszene bringen aber bei Konsolen-RPGs zieht das nicht so wirklich.
    Innovative Kampfsysteme und andere Gameplay-Experimente (Job- und Skillsysteme usw.) gab es schon zu SNES-Zeiten, allerdings waren wirklich vielschichtige Storys eher eine Seltenheit. So waren erst sehr späte SNES-Spiele wie Final Fantasy 6, Chrono Trigger und Star Ocean mitunter die ersten bekannteren RPGs die wirklich anfingen eine komplexere Story zu erzählen als „böse Dämonen fluten die Welt; auserwählte Helden suchen Kristalle um sie zu bannen“. Davon abgesehen sehe ich in innovativen Kampfsystemen kein „Problem“…immerhin fallen sie unter den Bereich „Spielspaß“ und nicht unter „grafischen Schnickschnack“.

    Allerdings trifft dein Beitrag aus dem Grund trotzdem auch auf die RPGs zu: Präsentation wurde und wird auch in diesem Genre immer wichtiger und der Trend ist leider sehr stark in Richtung 3D-Grafik gerutscht. Die Tatsache, dass die wenigen tollen 2D-RPGs die die letzten Jahre entwickelt wurden (z.B. „Tales of Rebirth“ und das „Tales of Destiny“-Remake für die PS2) zum großen Teil nichtmal in den Westen kommen, macht es nur noch schlimmer.

    Zum Abschluss noch ein Beispielvideo für die geniale 2D-Grafik von Tales of Destiny für die PS2 (in meinen Augen weitaus ansehnlicher als die Tales-Teile im 3D-Cel-Shading-Look):

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